Berlin April 2020. Seit Beginn des Jahres gibt es in Deutschland die CO2 Steuer, um die globalen Klimaziele zu erreichen. EnergyLabs schaut sich die letzten Monate an, welche Alternativen es gegeben hätte und warum die Entscheidung für die Bepreisung vom Ausstoß an Kohlenstoffdioxid kontextual die richtige gewesen ist. Die CO2-Steuer ist der notwendige Anreiz für Greentech-Lösungen; langfristige Investitionen in klimafreundliche Lösungen und Technologien.

Größeres Klimabewusstsein

Seit Jahren sind die Auswirkungen der globalen Erwärmung überall auf der Welt spürbar, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß: extreme Hitze, vernichtende Überflutungen und Stürme, Korallenbleiche und steigende Meeresspiegel – Beginn einer sich verschlimmernden Spirale. Andererseits lässt sich beobachten, dass die Menschheit sich nun zumindest zum Teil vermehrt der Klimakrise bewusst ist und aktiv wird. Mehr und mehr Menschen, besonders Jüngere, die sich um ihre Zukunft auf unserem Planeten sorgen, schließen sich der Fridays for Future Bewegung an. Große und kleine Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung für die Umwelt bewusst, und Regierungen einigen sich auf globale Klimaziele, sowie Gesetze, um diese zu erreichen. Ein wichtiger Schritt hin zu einer umweltfreundlicheren Zukunft, ist die Kontrolle der Verwendung von endlichen und natürlichen Ressourcen. Genauso wie zukunftsweisende Ideen, besonders im Bereich der Energie und Technologie, und so unsere Gesellschaft zu wandeln.

Neuste Entwicklungen

Die kritische Lage des Klimas wird heutzutage fast täglich in den Medien thematisiert. Wissenschaftler verkündeten vor kurzem, dass mindestens ein Zehntel des weltweiten Gletschereises bereits Mitte dieses Jahrzehntes geschmolzen sein wird. Der Earth Day 2021, der am 22ten April stattfand, initiierte weitgehende Anerkennung und Ambitionen, die Klimaerwärmung global und gemeinschaftlich anzugehen. Die Staats- und Regierungschefs der 40 teilnehmenden Länder einigten sich darauf, neue und ehrgeizige Klimaaktionspläne vorzulegen, um bis 2050 Net-Zero-Emissionen und die Ziele des Pariser Abkommens bis 2030 zu erreichen. Nach den jüngsten Beschlüssen wurden die Ziele der Bundesregierung ehrgeiziger und die Klimaneutralität soll bereits 2045 erreicht werden.

Bisher haben die Sektoren Wärme/Energie und Verkehr im Vergleich zu den Sektoren Energie, Industrie und Luftfahrt wenig zum Klimaschutz beigetragen. Eine Reduzierung der Emissionen in diesen Sektoren ist jedoch unerlässlich, um die Klimaziele bis 2030 und die europäische Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen.

Gab es eine Alternative zur CO2 Steuer?

Ein nationaler CO2 -Preis kann als Steuer implementiert werden, ähnlich wie es nun in Deutschland der Fall ist. Eine Alternative wäre ein separater Emissionshandel oder die Ausweitung des bestehenden Emissionshandels auf den Gebäude- und Verkehrssektor gewesen. Beide Instrumente sind bei entsprechender Ausgestaltung vergleichbar in ihrem Ziel, den Kohlenstoffausstoß zu reduzieren. Dennoch ist eine so genannte CO2 Steuer einfacher und schneller umzusetzen. Im Folgenden werden die Vor- und Nachteile der CO2 Steuer im Vergleich zur Ausweitung des (nationalen) Emissionshandel im Detail diskutiert, basierend auf einer Veröffentlichung des Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Was ist das EU Emission Trading System (EU ETS)?

Das europäische Emissionshandelssystem europaweit eingeführt. Es legt die Reduktionsziele für definierte Zeiträume fest und ist das erste internationale Emissionshandelssystem der Welt. Grundsätzlich wird eine Gesamtmenge an Emissionsberechtigungen (Zertifikaten) für eine bestimmte Handelsperiode (Cap) festgelegt. Ein Zertifikat berechtigt zum Ausstoß von einer Tonne CO2 und für jede emittierte Tonne muss ein Zertifikat abgegeben werden.

Es ist allerdings kompliziert, das ETS auf die Sektoren Heizung und Verkehr auszuweiten, da dann auch Privatpersonen die notwendigen Emissionszertifikate kaufen müssten. Auf welcher Plattform und zu welchen Preisen diese gehandelt werden würden, wäre vermutlich nicht problemlos und konfliktfrei festzulegen.

In der Theorie ist der Emissionshandel ökologisch und kosteneffizient. Er geht in der Regel mit technischem Fortschritt und Innovationen einher. Allerdings deckt das EU-ETS derzeit nur wenige Sektoren und damit nur einen Teil der europäischen und deutschen Treibhausgasemissionen ab. Problematisch sind außerdem niedrige Preise für den Erwerb von Zertifikaten. Sie sollten so hoch angesetzt werden, dass ihre Existenz einen Anreiz für radikale Innovationen bietet, mit denen die Klimaziele tatsächlich erreicht werden können.

Eine schnelle und effiziente Umsetzung der Ausweitung des Emissionshandels ist kompliziert. Nicht nur europa-, sondern auch deutschlandweit könnte zügiges Handeln an notwendigen rechtlichen Bewertungen und Zuständigkeiten scheitern. Aber Zeit ist ein entscheidender Faktor, wenn es um die Begrenzung der Erderwärmung geht.

Kohlenstoffbepreisung – schnell und effektiv

Die Entscheidung, eine CO2 Steuer einzuführen, scheint also im Vergleich zur Ausweitung des Emissionshandels die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Am 1. Januar 2021 hat Deutschland eine CO2 Steuer eingeführt, mit dem Ziel, die Kohlenstoffdioxidemissionen in Deutschland zu senken. Der Betrag, der auf jede Tonne CO2 gezahlt werden muss, ist ein Festpreis und wird Jahr für Jahr bis 2026 steigen. Es kann nicht als offizielle Steuer betrachtet werden, wirkt aber wie eine solche. Der Aufpreis muss für fossile Heizstoffe und Benzin jeglicher Art gezahlt werden. Nachfolgend haben wir die Preisentwicklung für die kommenden Jahre aufgelistet:

Year    Price

2021    25€ / t CO2

2022    30€ / t CO2

2023    40€ / t CO2

2024    45€ / t CO2

2025    50€ / t CO2

Doch was bedeutet das für den Endkonsumenten? Schlüsseln wir es auf: Mehrkosten von 7 Cent pro Liter Benzin bzw. 7,9 Cent pro Liter Diesel (inkl. MwSt.), Heizöl wird pro Liter 7,9 Cent teurer, Erdgas verteuert sich um 0,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Ab 2026 sollen die Zertifikate frei am Markt gehandelt werden, die Preise richten sich dann nach Angebot und Nachfrage. Die Gesamtmenge der Zertifikate und damit die maximale Emissionsmenge im Wärme- und Verkehrssektor soll entsprechend der Klimaziele begrenzt werden.

Carbon pricing on the transportation sector

Was sind die Vorteile der CO2 Steuer?

Ein festgelegter Preis für Treibhausgasemissionen bietet die Vorteile Planungssicherheit und der Preisstabilität. Beides schafft den notwendigen Anreiz für langfristige Investitionen in klimafreundliche Lösungen und Technologien, insbesondere bei privaten Haushalten und kleineren Unternehmen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Preise auch in Abhängigkeit von den erzielten Emissionsminderungen angepasst werden können. So ist die Höhe der Preise an die tatsächlich erzielten Umwelteffekte anpassbar.

Die Reform der Energiesteuer ist auf nationaler Ebene kurzfristig umsetzbar, insbesondere im Vergleich zum Ausbau des ETS (auf EU- und/oder nationaler Ebene), der, wie bereits erwähnt, zeitintensiver wäre. Das Risiko, dass sich die Klimaschutzmaßnahmen aufgrund von rechtlichen Fragen und politischen Durchsetzungsproblemen verzögern, ist geringer.

Neben der CO2 Besteuerung war in Deutschland in den letzten Jahren vorrangig die Förderung von Wind- und Solarenergie die wichtigste Maßnahme, um den Kohlenstoffausstoß zu reduzieren und einen Wandel in der Energiewirtschaft einzuleiten.

Andere Länder, andere Sitten

Andere Länder forcieren die Reduktion ihrer Emissionen mit anderen Strategien. In der Schweiz wird seit 2008 eine Gebühr für Heizöl und Erdgas gezahlt. Die CO2 Kosten pro Tonne betrugen zu Beginn umgerechnet 8€. Bis 2018 ist die Abgabe auf 85 Euro gestiegen. Im gleichen Zeitraum sanken die Emissionen im Gebäudesektor erfolgreich in der Schweiz um 20 %. Die Abgabe ist keine Steuer, die in den Staatshaushalt fließt. Bund und Kantone verwenden ein Drittel der Einnahmen, um die energetische Sanierung von Gebäuden zu fördern. Zwei Drittel der Einnahmen werden direkt an die Bevölkerung zurückverteilt – zu gleichen Teilen an alle Menschen, die in der Schweiz leben.

Bereits im Jahr 1991 führte Schweden eine CO2 Steuer ein (50€/ tCO2), die umgerechnet auf 100€ erhöht wurde. Im schwedischen Heiz- und Transportsektor sind die Emissionen seit 2005 um 28% gesunken. In Frankreich wurde die CO2 Steuer von 7€ im Jahr 2014 auf 44,60€ in Jahr 2018 erhöht. Wenn Ihr mehr über die Auswirkungen von CO2 Preisen in anderen Ländern erfahren möchtet, können wir die Arbeit des Berliner Mercator Research Institute empfehlen.

Seit 2013 gibt es in Großbritannien zusätzlich zum EU ETS einen Mindestpreis von umgerechnet 20,84 Euro pro Tonne Kohlenstoffdioxid. Und die Auswirkungen sind sichtbar: Innerhalb von fünf Jahren sanken die Emissionen um 55 %.

Auswirkungen

Wie bereits erwähnt, ist mit der Einführung der CO2 Steuer eine direkte Auswirkung auf den Verbraucher zu verzeichnen. Die gestiegenen Preise für Benzin und Heizung sind deutlich sichtbar. Die Energienutzung in Gebäuden macht 40 % des Energieverbrauchs in der Europäischen Union aus, plus einen ähnlichen Anteil an den Treibhausgasemissionen. Daher ist es wichtig, den Anteil an grüner Energie in öffentlichen und privaten Gebäuden zu erhöhen und den absoluten Energieverbrauch zu senken. Energieeffizienz ist eine der größten Ressourcen, die wir haben, wenn es darum geht, Energie zu sparen. Lösungen wie ActiveEnergy ermöglichen Energieeinsparungen in Gebäuden und reduzieren so effektiv den CO2-Fußabdruck. Außerdem spart Energiesparen Geld. Die CO2  Steuer ist der notwendige Anreiz für Greentech Lösungen; langfristige Investitionen in klimafreundliche Lösungen und Technologien.

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